Monatsarchiv: Januar 2011

Wehrpflicht ade?

Seit dem Auftreten der Blumenkinder der 68er gibt es immer wieder diesen netten Spruch zu lesen:

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin

und auch jetzt wird dieses Brecht zugemutete Zitat munter von Gegnern der Wehrpflicht geschwungen wie eine alles bezwingenden Waffe.

Wodurch bei mir schon eine Frage ausgelöst wird. Geifernd gegen die Wehrpflicht zu sein ist wohl besonders unter Absolventen der neuen Sonder-, pardon, Mittelschule eine Art bildungsdefizitär bedingte Zwangsneurose, oder?

Obzwar dieser Satz oftmals Berthold Brecht zugeschrieben wird, ist er  vom amerikanischen Dichter Carl Sandburg.

Doch Brecht hatte hierzu auch etwas zu sagen:

Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

In Österreich jedoch gehen die Uhren anders! Hier wird nicht darüber diskutiert oder nachgedacht, wofür wir ein Heer brauchen. Hier wird aus ein-zementierter Position für oder gegen die Wehrpflicht argumentiert.

Die Bedarfsanalyse biegen wir halt im Nachhinein je nach Ergebnis in die gewünschte Richtung!

Also, zum Mitschreiben für die Vollidioten:

  1. Welche Aufgaben sind im nationalen und im internationalen Kontext zu bewältigen?
  2. Durch wen sollen die einzelnen in Punkt 1) aufgeführten Aufgaben bearbeitet werden?
    Wobei sich diese Frage auf Berufsgruppen, wie Feuerwehr, Polizei, technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz, …, Militär, …, usw. bezieht.
  3. Welche personelle und materielle Ausstattung ist für die in Punkt 2) vorgesehenen Erfüllenden zur Bewältigung der gesamten für selbige vorgesehenen Aufgabenlast notwendig?
  4. Welche Kosten sind zu veranschlagen?
  5. Wie soll die Umsetzung erfolgen?

All jene, welche nicht der Gruppe der Cerebral-Asketen angehören, werden hier glasklar erkennen, dass die Wehrpflicht-Debatte zu Punkt 5) obiger Liste gehört. Allenfalls im Bereich verschiedener Kostenmodelle im Punkt 4) mitspielt.

Und noch ein Hinweis für alle Dogmatiker: Bei einer korrekt durchgeführten Analyse sind alle Ergebnisvarianten möglich. Es könnte herauskommen, dass wir kein Heer mehr brauchen, oder dass wir ein größeres benötigen.  Oder das neue Arten von Berufsfeuerwehren für den Katastrophenschutz benötigt werden. Oder dass die Polizei um 5000 Mann aufzustocken ist, während das Heer abgeschafft wird …

Und vielleicht kann das jetzt jemand in die Amtssprache des ZK-Vorsitzenden des SC Kroatisch Minihof übersetzen …

6 Kommentare

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Der General kann gehen ….

Zugegeben, momentan habe ich durchwegs das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu weilen, als der Minister mit Namen Darabos. Ich versteh‘ einfach nicht, inwieweit diese Argumentationslinie schlüssig ist, und wie das eine Abberufung rechtfertigt. Und der Herr Bundespräsident scheint es auch nicht zu verstehen, wie ist sonst die Aussage „Ich hoffe, dass dieser Bescheid der Judikatur des Verfassungsgerichtshofs entspricht.“ (Quelle: Die Presse: General-Affäre – Präsident Fischer rügt Minister Darabos) zu verstehen? Wo doch besagter Bundespräsident

  1. den Ruf hat, Krisen jeder Art auf der Toilette abzuwarten, und
  2. er selbst ausgebildeter Jurist (Verfassungsrecht) ist!

So gesehen, ist diese scheinbar vorsichtig formulierte Aussage, von einem, der immer es vermieden hat, eine klare Position zu beziehen, wenn’s irgendwie ernst aussah, ein echter Anschiss, oder?

Und das der Herr Minister nach dem Gespräch versucht, vor den wartenden Journalisten davon zu laufen? OK, für die, die es nicht glauben:

Andere sehen das noch extremer:

Wolfgang Rauter, Chef der Liste Burgenland und Richter am Landesgericht Eisenstadt, hat am Mittwoch laut Aussendung eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verdachts der Nötigung beziehungsweise schweren Nötigung nach Paragraf 105 und 106 StGB bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien eingebracht.

Die Drohung des Ministers, wonach es für jene, die den Weg der Abschaffung der Wehrpflicht nicht mitgingen, Konsequenzen gebe, seien „absolut ungeheuerlich und untragbar“. „Wenn (…) ein weisungsbefugtes Organ seinen Mitarbeitern, die für die allgemeine Wehrpflicht – und damit für die Beibehaltung der geltenden Rechtslage – eintreten, dafür persönliche Konsequenzen androht, so stellt dies einen klassischen Fall der Nötigung dar„, heißt es in der Anzeige.

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Sicherheitspolitischer Autist?

Ein richtiger Felgaufschwung für die Landesverteidigung, eine Totalreform des Bundesheeres ist überfällig. Aber alles weist darauf hin, dass für eine solche Reform Norbert Darabos nicht der richtige Mann ist. Er zeigte in seiner jetzigen Amtszeit keinerlei Interesse für die inneren Befindlichkeiten des Bundesheeres, er managt den „Betrieb Bundesheer“ abgeschottet mit ein paar wenigen Vertrauten, er scheut den Kontakt mit Kollegen und Experten aus anderen Ländern (auch dieses Jahr will er angeblich wieder nicht zum wichtigsten Treffen westlicher Sicherheitspolitiker, der Münchner Sicherheitskonferenz, fahren), internationale Sicherheitspolitik ist ihm offensichtlich zuwider. Kurz: Österreich hat einen sicherheitspolitischen Autisten als Verteidigungsminister.

via Wenn ein sicherheitspolitischer Autist das Heer reformieren soll « DiePresse.com.

Man sollte natürlich den ganzen Artikel lesen. Mir gefällt er. Aber der Einschätzung sicherheitspolitischer Autist – so griffig und schön dieser Begriff auf mich auch wirkt – kann und will ich nicht zustimmen. Warum nicht?

(Der Rest des Artikels wurde auf Weisung eines höheren Vorgesetzten entfernt, „um dem Ansehen des Amtes nicht zu schaden„)

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