Wehrpflicht ade?

Seit dem Auftreten der Blumenkinder der 68er gibt es immer wieder diesen netten Spruch zu lesen:

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin

und auch jetzt wird dieses Brecht zugemutete Zitat munter von Gegnern der Wehrpflicht geschwungen wie eine alles bezwingenden Waffe.

Wodurch bei mir schon eine Frage ausgelöst wird. Geifernd gegen die Wehrpflicht zu sein ist wohl besonders unter Absolventen der neuen Sonder-, pardon, Mittelschule eine Art bildungsdefizitär bedingte Zwangsneurose, oder?

Obzwar dieser Satz oftmals Berthold Brecht zugeschrieben wird, ist er  vom amerikanischen Dichter Carl Sandburg.

Doch Brecht hatte hierzu auch etwas zu sagen:

Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

In Österreich jedoch gehen die Uhren anders! Hier wird nicht darüber diskutiert oder nachgedacht, wofür wir ein Heer brauchen. Hier wird aus ein-zementierter Position für oder gegen die Wehrpflicht argumentiert.

Die Bedarfsanalyse biegen wir halt im Nachhinein je nach Ergebnis in die gewünschte Richtung!

Also, zum Mitschreiben für die Vollidioten:

  1. Welche Aufgaben sind im nationalen und im internationalen Kontext zu bewältigen?
  2. Durch wen sollen die einzelnen in Punkt 1) aufgeführten Aufgaben bearbeitet werden?
    Wobei sich diese Frage auf Berufsgruppen, wie Feuerwehr, Polizei, technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz, …, Militär, …, usw. bezieht.
  3. Welche personelle und materielle Ausstattung ist für die in Punkt 2) vorgesehenen Erfüllenden zur Bewältigung der gesamten für selbige vorgesehenen Aufgabenlast notwendig?
  4. Welche Kosten sind zu veranschlagen?
  5. Wie soll die Umsetzung erfolgen?

All jene, welche nicht der Gruppe der Cerebral-Asketen angehören, werden hier glasklar erkennen, dass die Wehrpflicht-Debatte zu Punkt 5) obiger Liste gehört. Allenfalls im Bereich verschiedener Kostenmodelle im Punkt 4) mitspielt.

Und noch ein Hinweis für alle Dogmatiker: Bei einer korrekt durchgeführten Analyse sind alle Ergebnisvarianten möglich. Es könnte herauskommen, dass wir kein Heer mehr brauchen, oder dass wir ein größeres benötigen.  Oder das neue Arten von Berufsfeuerwehren für den Katastrophenschutz benötigt werden. Oder dass die Polizei um 5000 Mann aufzustocken ist, während das Heer abgeschafft wird …

Und vielleicht kann das jetzt jemand in die Amtssprache des ZK-Vorsitzenden des SC Kroatisch Minihof übersetzen …

6 Kommentare

Eingeordnet unter österreich, bundesheer, Politik

6 Antworten zu “Wehrpflicht ade?

  1. Gefaellt mir gut der Blog. Tolle Themenwahl.

  2. Altkater

    Zu dem schönen Spruch:
    „Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“
    gibts eine passende Ergänzung, die aber dann immer gern unter den Tisch fallen gelassen wird:
    „dann kommt der Krieg eben zu dir!“

    • Die Ergänzung „kommt der Krieg eben zu Dir“ habe ich ehrlich gesagt absichtlich unter den Tisch fallen lassen. Er erschien mir einerseits zu provokativ – ja, das gibt’s auch bei mir – andererseits ist er weder Brecht noch Sandburg zuzuordnen. Und da wollte ich mir keine unklare Quellenlage vorhalten lassen. 😉

  3. Pingback: Wehrpflicht-Debatte verschoben und wieder nix gelernt! « Der Grantscherb'n

  4. Pingback: Wehrpflicht? Langsam wird’s fad! | Der Grantscherb'n

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