Die Geschichte vom undankbaren Rindvieh

Normalerweise gehöre ich ja nicht zu den Geschichtenerzählern.

Doch diese eine, welche ich vor mehr als einem Vierteljahrhundert las – ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wo – will mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf.

Ein Bauer, der so geizig war, das sein Gesinde und er nur Wassersuppe zum Essen bekamen, und im Winter in der ungeheizten Stube auf etwas Stroh schliefen, missgönnte seiner einzigen Kuh sogar das Heu, welches sie fraß. Und so gab er ihr eines Tages um ein Drittel weniger. Die Kuh gab eben weniger Milch, aber genügsam magerte sie halt etwas ab, und der Bauer verkaufte das übrig gebliebene Heu mit Gewinn.

So zählte er denn das Geld und schimpfte die Kuh, weil das Heu, dass sie fraß, wohl mehr wert wäre als die Milch, die sie gab.

Und so gab er ihr von Woche zu Woche weniger Heu, und die Kuh wurde immer schwächer. Als letztendlich gar nichts mehr bekam, fiel sie am dritten Tage tot um. Der Bauer kam in den Stall, sah die tote Kuh und schimpfte, „Undankbares Vieh, jetzt, wo ich Dir beigebracht habe, ohne Futter aus zukommen, drehst Du Dich einfach um und stirbst!“

Und warum geht mir diese Geschichte nicht mehr aus dem Kopf?

Am Donnerstag brachte sich auch der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll in die Debatte ein: Den „Salzburger Nachrichten“ sagte er, er könne sich eine Verkürzung des Wehrdienstes auf fünf Monate vorstellen.

via Wehrpflicht: ÖVP spricht erstmals von „Koalitionsbruch“ « DiePresse.com.

Ah ja! Jetzt hat der Bauer Erwin Mitleid mit dem Sportminister Norbert und will ablenken. Muss wohl so sein, oder? Immerhin gilt LH Erwin Pröll nicht gerade als debil. Also steckt wohl ein Plan dahinter. Aber welcher?

Vielleicht bin ich ja wieder paranoid. Oder ich traue den Politikern mehr Planungskapazität zu als sie wirklich besitzen. Aber:

Wenn wir die Wehrpflicht lange genug verkürzen, wird es irgendwann in logischer Konsequenz heißen, das bringt nichts mehr, lassen wir’s gleich bleiben. Ach so, da haben doch viele bei der Verkürzung auf sechs Monate schon … Na, macht ja nix. Die AGA dauert ja eh nur 2 Monate, und so weit können wir doch sicher noch runter gehen. Dann noch eine Woche Kartoffelschälen und niemand mehr kann widersprechen, wenn es heißen sollte: „Die Wehrpflicht ist sinnlos!“

Guter Plan, oder?

PS: Oder will Erwin Pröll nur etwas Feuerunterstützung für den Wahlkampfgag seines Freundes Michael Häupl liefern?

3 Kommentare

Eingeordnet unter österreich, bundesheer, Politik, Self

3 Antworten zu “Die Geschichte vom undankbaren Rindvieh

  1. Endlich ein gut zu lesender Post, besten Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich diesen Blog leicht zugaenglich.

  2. Ich bin eben das erste mal vorbei gekommen. Gefaellt mir ziemlich gut.

Eine eigene Meinung dazu? Hier herrscht Meinungsfreiheit!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s