Auf ins letzte Gefecht – Anton Pelinka und die Zeit

Heute, am 13.01. 2011 erschien in der Onlineausgabe (und ich vermute mal, die Print-Ausgabe wird da so unterschiedlich nicht sein) der Zeitschrift „Die Zeit” ein Artikel des Professors für Politikwissenschaften Anton Pelinka, der mir doch einigermaßen ungut aufstößt.

Warum?

Nun Hr. Pelinka hat sich in diesem Artikel nicht entblödet, propagandistische Stilmittel zu nutzen, die auch einem Hrn. Goebbels sehr gefallen hätten. Auch wenn Hr. Pelinka, und das soll hier in keiner Weise angezweifelt werden,  dem roten Umfeld und nicht dem braunen seine Sympathien zuteilt.

Beispiel gefällig?

Es schien, als hätte sich die SPÖ in Sachen Wehrpflicht erfolgreich eingegraben. Zuletzt blitzte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl mit seinem Vorstoß, das Volk zu dem Thema zu befragen, ab. Doch nachdem Kanzler Werner Faymann kurz vor Weihnachten ein Freiwilligenheer als »ideale Lösung« erachtete, begann die Abwehrfront rasch zu bröckeln. Mittlerweile bekundet sogar Verteidigungsminister Norbert Darabos leise Sympathie für eine Armee, die ihre Soldaten unter Freiwilligen anwirbt.

Hm, also ich habe das anders in Erinnerung. Und der ORF-Report vom 08.01.2011 auch ;->

Und leise Sympathie? Ah ja, so nennt man das wohl im Zentralkomitee der Sozialistischen Partei Österreichs, wenn der Minister einen Generalstabschef feuert, der sich für die – nebst bei angemerkt, in der Verfassung verankerte – Wehrpflicht ausspricht. Also ich möchte schon gerne wissen, ab welchem Verhaltensmuster der Hr. Pelinka von geifernder, hechelnder Unterstützung spricht?

Doch es kommt noch besser.

… SPÖ […] Gralshüterin der Wehrpflicht […] dieses Modell die soziale Durchmischung der Streitmacht sicher und garantierte das Primat der Politik gegenüber dem Militär. Doch soziale Durchmischung gibt es schon lange nicht mehr: Der Zivildienst bietet längst die Möglichkeit, sich diesem Schmelztiegel zu entziehen. Vor allem Maturanten und die Kinder von Besserverdienern gehören dazu. Dienst in den Kasernen schieben Rekruten aus unteren sozialen Schichten, junge Neo-Österreicher – und jene, für die das Soldatische Teil des rechten Weltbilds ist.

Sehr geehrter Herr Pelinka! Haben Sie mich soeben als Nazi beschimpft? Als Politikwissenschaftler halte ich Sie leider nicht für satisfaktionsfähig, ich würde ihnen aber dennoch vorschlagen, mir nicht in personam über den Weg zu laufen!

Im Detail behauptet Herr Pelinka, dass jemand wie ich, der als Kind von Besserverdienern sowohl Maturant ist, als auch zum Zeitpunkt des Einrückens ein abgeschlossenes Studium (ein richtiges, so mit wissenschaftlichem Arbeiten, nicht Wolkerln-im-Kreis-schieben!) in der Tasche hatte, also gemäß der Pelinkaschen Definition weder aus unteren sozialen Schichten stammt, noch Neo-Österreicher ist, zwangsläufig zum jenen gehört, für die das Soldatische Teil des rechten Weltbilds ist.

Offensichtlich ist das Soldatische Teil des rechten Weltbilds insbesondere bei ewig gestrigen Linken, nicht war! Wessen Geistes Kind muss man sein – oder auch von welchem Primat(en) gebissen – um innerlich den Begriff Soldat sofort mit Nazi gleichzusetzen?

Auf diese Art der Beeinflussung der Mehrheit der Leserschaft knapp unter der Wahrnehmungsschwelle (Soldat = Nazi) wäre der Hr. Reichspropagandaminister sicher sehr stolz gewesen.

Und das diese Propaganda durchaus so gewollt ist, beweisen Hr. Pelinka gleich selbst:

Schließlich war für viele Sozialdemokraten das Trauma nach dem verlorenen Bürgerkrieg im Februar 1934 noch präsent.

Niemand wird bestreiten wollen, dass dies tatsächlich passiert ist. Dennoch, objektive Formulierungen sehen anders aus. Immerhin, und der Karl-Marx-Hof in Wien ist ein gutes Beispiel dafür, gingen auch die damaligen Sozialdemokraten zu weit. In diesem verschanzten sich bewaffnete aufständischen Arbeiter und der Republikanische Schutzbund und gaben erst nach Artillerie-Beschuss durch das Bundesheer und die Heimwehr auf.

Zitat von http://www.wien-vienna.at:

Die F[ebruarkämpfe] brachen aus, als soz.-dem. Schutzbündler unter R. Bernaschek einer Waffensuchaktion der Heimwehr (als Hilfspolizei) im Linzer soz.-dem. Parteiheim („Hotel Schiff“) bewaffneten Widerstand leisteten.

Oder, wie Bruno Kreisky geraunzt hätte, „Lernen’s Geschichte, Hr. Professor!

Nur, und dies regt mich so auf, ich bin mir sicher, Hr. Pelinka ist sich dieser Tatsachen bewusst. Und das macht diese Vorgehensweise in meinen Augen so verwerflich. Propaganda statt Argumentation.

Bundesheer, Polizei und Gendarmerie verhielten sich loyal zum Staat, und das führte lt. Hrn. Pelinka zum „Trauma der Sozialdemokraten„. Ja, das wäre wirklich mein größter Alptraum: Ein dem Staat – also der Verfassung  – sich verpflichtend fühlendes Bundesheer. Oh, fast hätte ich es vergessen, das war ja der Grund für die Ablöse den Generals Entacher als Chef des Generalstabes, oder?

Sind wir wieder so weit?


PS:

Der Zivildienst bietet längst die Möglichkeit, sich diesem Schmelztiegel zu entziehen.

Aber, das ist was Neues? Andererseits gibt es doch mehr als nur einige Wenige – und ich kenne solche persönlich – die den Zivildienst aus persönlicher Überzeugung gewählt haben. Das soll sogar auf einen Berufskollegen von Hr. Pelinka zutreffen. Und der brachte es trotzdem zum Verteidigungsminister. Na ja, räusper …

Dennoch nimmt es mich wunder. War es nicht die rote Reichshälfte, die so vehement für die Möglichkeit eines Wehrersatzdienstes eingetreten ist? Und das war jetzt schlecht, oder wie? Ich verstehe eine Formulierung wie „sich […] entziehen.“ als deutlich Kritik an jenen, die sich für den Zivildienst entschieden haben. Oder habe ich das missverstanden?

Also ich verstehe das so:

Hr. Prof Pelinka meint, Hr. Norbert Darabos habe es verstanden, sich dem Präsenzdienst durch Wahl des Zivildienstes zu entziehen.

Stimmt doch, oder?

Neo-Österreicher

Ein Kommentar

Eingeordnet unter bundesheer, darabos, Desinformation, Politik, Verfassung

Eine Antwort zu “Auf ins letzte Gefecht – Anton Pelinka und die Zeit

  1. Siegbert Kopatsch

    Deine Sichtweise der postkommunistischen Ausgeburten des Professor Pelinka sind excellent – dieser Mann ist wie ein Geschwür und Geschwüre sollten eigentlich „operativ“ entfernt werden!
    Ich verstehe nicht, wie sozialistische Politiker (und auch andere) einen solchen Defäitisten am österreichischen Volk hofieren und forcieren können.
    Aber wenn man sieht, dass (der von mir sonst geschätzte Landeshauptmann Pröll) einem total unnötigen Hermann (Boody) Nitsch aus Steuergeldern ein Museum einrichtet, wundert einem die totale Entfremdung unserer Politiker zum „gemeinen Volk“ nicht mehr.

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