Funktionaler Analphabetismus?

Wie bitte?

SurgeonFunktionale Analphabeten sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, die jedoch den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben.

Quelle: Wikipedia

Praktisches Beispiel gefällig?

Ich wurde vom Krankenhaus Mistelbach ans Landeskrankenhaus in St. Pölten zwecks einer Operation „weitergereicht”. Dies bedeutet, dass die Anmeldung von Krankenhaus zu Krankenhaus erfolgt ist, und mir nur mitgeteilt wurde: „Am Montag dort zur Aufnahme melden, am Mittwoch wird operiert!

SpeederNach einer Fahrstrecke von über 80km darf ich mich am Zielort beim Schalter »Anmeldung« der chirurgischen Ambulanz melden. Vorweg, die Mitarbeiter sind sehr freundlich und hilfsbereit, es ist allerdings sehr viel los. Dies führt dazu, daß ich — obwohl erwartet — wieder über eine Stunde (mehr Minuten als Fahrkilometer!) warten darf, bis das Aufnahmegespräch mit der zuständigen Schwester (ebenfalls sehr freundlich, nett und hilfsbereit) erfolgt.

Nervosität bricht erst aus, als ich nachfrage: „Sie wissen eh, dass ich Marcoumar nehme?” Da die OP in zwei Tagen sein sollte, kommt mir — als Patient(!) — das doch reichlich knapp vor, und ich denke, mal nachfragen kann nicht schaden …

WaitDas denkt die Aufnahme-Schwester auch, und ruft kurzerhand den Chirurgen an. Der will sich das selbst ansehen — spricht für Ihn, in meinem Buch! Leider hat dies einen für mich unangenehmen Nebeneffekt: Ich darf zur Abwechselung wieder warten … ca. 40 Minuten …

Das Ergebnis?

Keine Operation zum vorgesehenen Termin! Nach über 2 Stunden im Landesklinikum darf ich mich wieder auf den Heimweg (zur Erinnerung: über 80km) machen. Mit der Erkenntnis, das mir diese Expedition in der darauffolgenden Woche — nach erfolgreicher medikamentöser Vorbereitung — abermals  bevorsteht!

Also ca. 5 Stunden und 190 gefahrene Kilometer später bin ich wieder dort, wo ich am Morgen dieses Tages begonnen habe: zu Hause!

Was hat dies jetzt mit funktionalem Analphabetismus zu tun?

Nun, die Information, welche Medikamente ich einnehme, steht im Krankenakt, welcher im Krankenhaus Mistelbach aufliegt. Ebendieses Krankenhaus hat den Termin mit dem Landesklinikum St. Pölten vereinbart … Hmm?! … Und wer konnte da jetzt nicht lesen?

Scarecrow2Und was wäre passiert, wenn der Patient — also ich — naïve davon ausgeht, die wissen eh alles, oder gar nicht auf die Idee kommt, den Informationsfluss zu hinterfragen? Heißt es dann wieder, Operation geglückt, Patient totweil unerwartet verblutet

Aber vielleicht bin ich ja nur ein kleinlicher Grantscherb’n.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Grantscherben, Intelligenz-Nudisten

Eine eigene Meinung dazu? Hier herrscht Meinungsfreiheit!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s