Lehrer, Dienstrecht und zu viel Ferien!

Vor kurzem wurde von der österreichischen Bundesregierung ein neues Lehrerdienstrecht beschlossen. Nun ist die Aufregung groß, die Gewerkschaft dagegen und die Lehrer werden wieder in aller Öffentlichkeit beschimpft.

Dabei geht die ganze Diskussion am Wesentlichen vorbei. Dazu weiter unten mehr. Zunächst einiges, was mich ob der damit verbundenen intellektuellen Entblößung schon wieder grantig werden lässt!

Nachdem die Gewerkschaft auch noch von Streik geredet hat, laufen die Äußerungen aus dem Ruder. Und auch die nicht unter-griffigen, bösartigen oder sonst wie beleidigenden Meldungen scheinen von uninformierten Idioten zu stammen. Beispiele gefällig, allfällige Tippfehler sind original!

Abacus

… kein verständnis für leherprivilegien haben – 3,5 monate ferien und halbtagsjob bei 40 stundenjob und offiziel 5 wochen urlaubsanspruch ….

… haben lehrer eine dienstleistungsfunktion gegenüber der gesellschaft …

…armen Professoren, die 17 Stunden unterrichten müssen. !7 dividiert durch 5=3,4.3,4 Stunden pro Tag Unterricht-ist das zumutbar?Von den 9 Wochen Ferien im Sommer muss sich Professor auch erholen,14 Tage Weihnachtsferien, wie schlimm, Semester nur 1 Woche frei, au, Ostern 10 Tage Urlaub, wie wenig, und die paar autonomen Tage wie wenig, zum drüberstreuen noch einige „Fenstertage“, da besteht schon die Gefahr der Überlastung.Und Kinder, die nicht schon Alles wissen sitzen auch noch in den Klassen dieser überlasteten Lehrer, dazu noch Eltern,die am Nachmittag nicht das machen wollen, wozu der Lehrer eigentlich am Vormittag bezahlt wird ….

Allerdings!

Laut einer vom Unterrichtsministerium im Jahr 2000 in Auftrag gegebenen Studie  – und es gab ja keine Arbeitszeitreduktion seit damals – kamen vollbeschäftigte AHS-Lehrer im Durchschnitt auf etwa 1900 Arbeitsstunden im Jahr. Gut, das klingt nicht, als ob die zu viel arbeiten, oder?
Aber wer arbeitet dann wirklich viel in Österreich. Nun, Auskunft erhält man hierzu bei der Wirtschaftskammer Österreichs. Und die sind ja wohl nicht „auf Seiten der Lehrer”.

Achtung jetzt kommt’s:

Die durchschnittliche Jahressollarbeitszeit eines unselbstständigen Erwerbstätigen in Österreich beträgt 1730,5 Stunden pro Jahr. Sagt die WKO. Ach ja, hier ist die Quelle. Das ist auch so was, dass gerne vergessen wird. Da werden wüst irgendwelche Behauptungen aufgestellt, aber jeder „glaubt” nur, hat einmal „gehört”, oder – am allerschlimmsten – „es ist allgemein bekannt”.

Also, Klartext:

Da meckern die Minderleister über die Mehrleister, die hätten zu viel Freizeit?!

Professor2Wobei ich niemandem unterstellen möchte, er oder sie arbeite zu wenig. Aber der Spruch bot sich gewissermaßen von selbst an. Allerdings hätte ich nur wirklich gerne erklärt bekommen, wie sich das ausgeht, bei den vielen Ferien, und wenn alle anderen doch so viel mehr leisten …

Aber vielleicht bin ich als Physiker auch nur zu blöd zum Rechnen

Das Problem ist nicht eine allfällige Eindimensionalität des Denkens, sondern die strikte Weigerung Daten, welche die eigene Meinung nicht gerade unterstützen, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Und diese Haltung ist halt leider sehr verbreitet.

Ich habe früher auch geglaubt, Lehrer haben’s ziemlich gut. Nun, möglicherweise ist aber Lernfähigkeit eine wesentliche Voraussetzung für meine Berufswahl gewesen, und den Beruf des Lehrers würde ich auch für das Dreifache der derzeitigen Gehälter nicht machen wollen.

Die Crux

Das tatsächliche Problem liegt ja eigentlich ganz wo anders. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit der ganzen Lehrerdienstrechtsdiskussion davon abgelenkt werden soll.

Ein Angestellter im öffentlichen Dienst hat normalerweise einen Arbeitsplatz, der gewissen Grundvoraussetzungen entsprechen muss. diese sind im Bundes-Bedienstetenschutzgesetz, der Bundes-Arbeitsstättenverordnung, und einigen weiteren wie z.B. der Bildschirmarbeitsplatzverordnung festgelegt. So muss ein Bureau eine gewisse Mindestfensterfläche, eine Mindestgröße pro Mitarbeiter, usw. aufweisen.

TaxPrep2Für Lehrer gilt dies alles nicht. Deren Arbeitsplatz ist ja eh das Klassenzimmer?! Sobald aber auch nur einfache Hausaufgaben zu korrigieren sind, erfordert dies einen Schreibtisch. Ach ja, da kann der Lehrer ja ins Konferenzzimmer … dort stehen immerhin ca 45cm Tischbreite zur Verfügung. Mal versucht, unter diesen Bedingungen zu arbeiten? Es wird allgemein davon ausgegangen und erwartet, dass Lehrer ihren Kram zu Hause erledigen … Was die meisten wohl auch zwangsläufig dann so handhaben.

Ja, ich bin voreingenommen. Ich habe den Fehler begangen eine AHS-Chemie-Lehrerin zu heiraten. Nun, mal sehen, was da exklusiv (Nutzung für den angegeben Zweck zwischen 90% und 100% !) für die Arbeitstätigkeit bei uns rumsteht:

  • Fachliteratur (sauteuer) & Unterrichtsunterlagen: 2 Standard-Bücherregale wie man sie in jedem Möbelhaus findet.
  • 1 Schreibtisch
  • Rollladenkästen
  • 1 Computertisch
  • 1 PC, der alle 3 bis 5 Jahre erneuert werden muss (inzwischen eher 3 Jahre als 5, leider)
  • 1 Drucker (dessen Tausch ist im Mittel bei jedem 2. PC notwendig, weil das neue Betriebssystem dann den alten Drucker nicht mehr unterstützt.)
  • 1 Microsoft Office Lizenz (hier wird auch immer eine Version ausgelassen, aus Kostengründen)
  • 1 Kopierer (der ist schon etwas älter, aber geht immer noch zuverlässig.)
  • Netzwerk und Internetzugang

… und nicht vergessen, der Raum in dem das alles steht, und der dem Rest der Familie dadurch mindestens 4-5 Monate im Jahr nicht zur Verfügung steht. und in Folge auch in der restlichen Zeit nicht mehr interessant ist! 

BookwormAlle Kosten sind gewissermaßen „Privatvergnügen”? Für Nicht-Lehrer völlig selbstverständlich, daß diese Arbeitsmittel am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Und ja, es gibt in Schulen irgendwo Kopiere, irgendwo Drucker, irgendwo PCs, und so weiter. Aber das irgendwo ist beliebig, und die Verfügbarkeit fraglich …

Sagen wir mal so. Andere leisten sich alle 5 Jahre eine neuen Kleinwagen!

Ach, nicht vergessen, meine Wenigkeit: Gratis Netzwerk-Admin, IT-Troubleshooter und Fulltime-Privat-Sekretär an allen Frühlingswochenenden zwecks Matura-Vorbereitung.

Und die Chemie-Experimente? Kein Budget für Chemikalien, also ab zum Supermarkt und Säuren & Basen werden mit Essig, Rotkraut, und sonstigen Haushaltschemikalien erklärt. Locker mal 15 kg Material aus eigener Tasche finanziert, geschleppt, und dann wieder mal Schmerzen im Kreuz, im Rücken ….

Und was wird in der Öffentlichkeit diskutiert?

Ein zu diesem Zeitpunkt völlig unerhebliches Dienstrecht. Weil Lehrer ja so faul sind und ihre Privilegien verteidigen wollen. 

Und die Gewerkschaft spielt mit. Warum wohl?

Die Lösung?

Die ganz normale 40-Stundenwoche am Arbeitsplatz auch für Lehrer. Mit  5 Wochen Urlaubsanspruch im Jahr. Und Arbeitsplätzen, die den Normen, wie sie für alle anderen gelten, entsprechen. Also Schreibtische in Bureaus für 2 bis 3 Personen mit (wo erforderlich) Bildschirmarbeitsplätzen, Etagendrucker für mehrere Bureaus, IT-Infrastruktur wie Internetzugang, Office-Pakete, Systemwartung, dann natürlich Kopierer und die erforderliche Fachliteratur, sowie die Möglichkeit all dies auch ordentlich zu verstauen.

Natürlich bedeutet dies, dass die Infrastruktur an den Schulen neu überdacht werden muss. Aber genau hier ist ja sowieso der größte Reformbedarf gegeben. Schulen, die keinen Platz für Nachmittagsbetreuung haben, diese aber durchführen müssen. Chemie-, Physik-, und auch Biologiesäle, in die – selbst wenn diese Säle ganz neu errichtet wurden – weniger Schüler lt. baupolizeilichem Bescheid rein dürfen als in der Klasse sind. Wenn was passiert, steht dann der Lehrer vor dem Richter ….

Seltsam nur, dass dies niemanden aufregt. Hallo, Gewerkschaft?

Wäre doch was, oder? Der Lehrer ist wirklich seine/ihre 40 Stunden an der Schule. Erledigt alles dort. Ist erreichbar. Und hat keine vermeintlichen Privilegien!

Die Argumentation mit dem Neid-Komplex (da schaut, die arbeiten ja nur den halben Tag und haben dann 9 Wochen Urlaub) ist dann auch dem Dümmsten nicht mehr zuzumuten; na ja, erfahrungsgemäß wird es immer ein paar Deppen geben,

Nun mag man mich paranoid nennen, aber in einem Land, dass weder durch billige Arbeitskräfte noch durch billige Rohstoffe reüssieren international bestehen kann, stelle ich mir eben immer die Frage, unter welcher Prämisse Voraussetzung bringt es was, wenn das Bildungssystem immer schlechter wird.

Vielleicht, wenn das Niveau der Allgemeinbildung weiter absinkt, ergeben sich dadurch Vorteile? Und wenn ja, für wen? Und, völlig unzusammenhängend , wieso schafft man es, den Leuten einzureden, eine Steuerprogression sei die einzige gerechte Lösung? Wenn doch alle in der Schule Prozentrechnung gelernt haben müssten. Oder das wir eine Demokratie haben, obwohl einzelne Stimmen bei der Wahl effektiv unterschiedliches Gewicht haben. Also wem nützt es, wenn die Leute nicht genug wissen?

Caesar

15 Kommentare

Eingeordnet unter österreich, Grantscherben, Paranoia, Politik, Schaum vor der Gosch'n

15 Antworten zu “Lehrer, Dienstrecht und zu viel Ferien!

  1. Bettina Weber

    Ich teile – als Lehrerkind (40a) fast ihre Meinung. Nicht zustimmen kann ich allerdings bei der „Klage“ über die Bereitstellung des Computers etc. Dann könnten ja alle anfangen, nehmen wir mal mich: Also, bin Ordinationshilfe bzw. Laborleiterin, muss also immer sauber angezogen sein, Haare ok, usw. (jaja, eh alle anderen auch). Jetzt reg ich mich auf, dass ich oft mein Gewand waschen muss, welches Strom und Wasser kostet, dass ich, weil die Leute um halb acht vor der Türe stehen, mein Kind in die schulische Frühbetreuung geben muss, das kostet auch Geld. Letztes Beispiel: Mein Mann – Müllaufleger MA 48 – muss sein Dienstgewand selbst reinigen. Heisst: ICH wasche und bügle jede Woche Leiberln, Hosen, Jacken etc, die NICHT nach Turnsaal duften… 😉
    Finde ihre Seite sehr gelungen und freue mich auf weitere bonmonts! BW

    • Aber den Computer in der Ordination haben Sie schon zur Verfügung? Das mit dem Gewand trifft ja auf jeden Arbeitnehmer zu. Aber jetzt stellen Sie sich vor, Ihr Chef erwartet von Ihnen, dass Sie die Laborbefunde ordentlich ausgedruckt abliefern, getippt und gedruckt auf dem Computer zu Hause … Und wenn Sie keinen haben, kaufen Sie sich halt einen, Sie verdienen doch eh genug!
      In jedem anderen Beschäftigungsverhältnis als dem des Lehrers (und ich bin auch keiner), sind derartige Arbeitsmittel vom Dienstgeber zu stellen. Auch das Dienstgewand Ihres Mannes gehört da vermutlich dazu. Der sorgsame Umgang damit ist wiederum Verantwortung des Dienstnehmers. Inwieweit da auch das unentgeltliche Waschen und Bügeln dazugehört weiß ich nicht, m.E. müsste es auch eine dienstliche Wäscherei geben. So wie bei meinem Verein, obwohl auch da viele das Zeug lieber selber waschen. Aber die Möglichkeit besteht. Andernfalls müsste dies als Zulage abgegolten werden. Außer, Sie sind Lehrer …

  2. andi

    Computer? Kopierer? Schreibtisch? Drucker? Entschuldigung aber da sind Sachen, die JEDER Haushalt haben sollte und in der Regel auch hat! Bei der Fachliteratur kann ich nur eines dazu sagen: das trifft auch auf Juristen ( ach ja die müssen sich auch mehrere Anzüge kaufen, man kann ja nicht in Jeans in die Kanzlei- kostest auch was oder? ) Ärzte, Steuerberater usw. zu. Nicht nur Lehrer müssen sich Bücher kaufen. Außerdem kann man auch in eine Bibliothk gehen oder, im Jahre 2013, kann man das Internet als recht zuverlässige Recherchequelle nehmen.

    Also bitte nicht beschweren, das ist doch lächerlich!
    Warum studiert man diesen Beruf wenn man ja ach so unzufrieden mit den Rahmenbedingungen ist?

    • Womit wieder mal 2 Punkte bewiesen wurden.
      1. Das mit dem sinnerfassenden Lesen ist nicht jedermanns Sache.
      2. Wenn Sie Jurist sind, möchte ich nicht von Ihnen vertreten werden („im Jahre 2013, kann man das Internet als recht zuverlässige Recherchequelle nehmen“)

      Aber darum geht es hier auch nicht. Sondern darum, was Ihr zitierter Jurist gem. Arbeitsrecht von seinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommt, und der Lehrer eben nicht. Ob icjh privat einen Computer habe oder nicht, ist meine Sache, ich muss nicht. Meiner Frau aber ein ganzes Arbeitszimmer (das was Ihr Jurist vom Arbeitgeber kriegt) inklusive Einrichtung ausstatten, ist wohl eine andere.

      Und wenn Se zu Ende gelesen hätten, wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass es nicht die Rahmenbedingungen per se sind, sondern derart infantile Wortmeldungen, mit denen immer über diesen Berufsstand, dem ich selbst gar nicht angehöre, hergezogen wird.

      Es ist aber wohl zuviel erwartet, wenn man hofft, dass manche (Juristen?) den Unterschied zwischen „trifft auf alle zu“ (Gewand kaufen) und „trifft nur auf einige zu“ (das ganze Zeugs was der Jurist im Burü kriegt, selbst zu Hause aufstellen) begreifen.

      Danke für die Bestätigung meiner Meinung. Es ist genau diese Geisteshaltung, die mich zu diesem Posting überhaupt veranlasst hat.

      • missabcd

        Ich finde das Ganze auch ein bisschen lächerlich und bin kein Jurist. Als Informatiker muss ich auch darauf schauen, dass mein Rechner immer aktuell ist, das neueste Betriebssystem drauf läuft, zum Teil hab ich sogar verschiedene Rechner (Danke Windows und Apple, dass ihr euch nicht verträgt), dann noch Handys, usw. und alles nur um auf unterschiedliche Geräte irgendwas zu programmieren und zu testen. Würde ich mir alle sonst zum privaten Vergnügen kaufen? Bestimmt nicht! Sollte das von meinem Arbeitgeber kommen? Klar in einer Traumwelt schon. In kleineren Firmen ist das aber nicht so, da gibt es meistens ein Testgerät, also entweder man wartet ewig darauf oder man schafft es sich gleich selbst an. Da wird mehr oder minder auch verlangt, dass man von zu Hause aus arbeitet und zumindest (!) da den Privatrechner verwendet. Außerdem gibt es Vergünstigungen für Betriebssysteme für schulische Zwecke, somit bekommt es der Lehrer bestimmt günstiger als ein Normalverbraucher. Und klar hab ich zuhause auch einen Schreibtisch und Regale rum stehen, die ich eigentlich nicht brauchen würde, würde ich nicht arbeiten. Auch einen Drucker, Scanner, Schreibtischlampen, Verteiler, mehrere Bildschirme und anderes Büromaterial. Wegen den erhöhten Stromkosten, die bestimmt höher sind als in jedem normalen Haushalt will ich auch nicht anfangen. Aber das ist halt so, ich will halt in diesem Beruf arbeiten, es gilt noch immer freie Berufswahl. Und wenn wer wirklich noch denkt, dass 38.5h die Normarbeitsszeit ist, der hat sich ordentlich geschnitten. Nur bei den Beamten fällt’s halt auf, die anderen sind halt nicht so pingelig und regen sich nicht über jede halbe Stunde auf, die man dem Arbeitgeber „schenkt“…. Da war doch neulich was in der Zeitung darüber… Und von Freien Dienstverträgen will ich gar nicht anfangen, da gibt es keinen Urlaub, kein 13/14-Gehalt, kein Krankmelden. Das ist ungerecht und gehört in den Medien, nicht ein potentieller Lehrerstreik oder die Diskussion, dass der Lehrer die Hälfte seiner Arbeitszeit in der Klasse verbringt und die andere Zuhause. Das ist halt so! Das andere ist ein echtes Problem, eine absolute Frechheit und gehört verboten! Abgesehen davon, dass die ach so zeitaufwendige Schularbeiten-Korrektur meistens schon erledigt wird, in der Zeit, in der man in einer anderen Klasse bei einer Schularbeit Aufsicht hält. Hausaufgaben-Korrektur genau das Gleiche. Gibt man einfach eine Schulübung/Gruppenarbeit auf und korrigiert in der Zwischenzeit die Hausübungen. So hat es fast jeder unserer Lehrer gemacht, wenn es natürlich das Lehrfach zulässt. Ist halt alles eine eigene persönliche Einstellung und wie man seine Zeit einteilt. Und Chemie, geh bitte. Da hatten wir sowas von keine Aufgaben. Die Tests muss man vorbereiten und korrigieren und das war’s schon wieder. Oder man macht gleich mündliche Prüfungen, dann erspart man sich alles und schaut, was der Schüler am Kasten hat und hat noch die restliche Klasse als Zeugen, dass er was kann/nix kann. Maturavorbereitung für ein paar Maxerl (ok, kommt auch auf den Zweig an) und die jeweilige Korrektur gibt’s auch noch. Yeah! Sense, das war’s! Außer man bietet Freifächer wie „Chemische Übungen“ an oder dergleichen, muss man noch eine Vorbereitungszeit für Experimente einplanen und die Zeit, die man mit den freiwilligen Maxerln verbringt. Und meist verwendet man da auch Materialien, die schon die Schule hergibt und wenn nicht, kauft sie die Gruppe ein und es wird aufgeteilt auf die Schüler. Ich sag ja nicht, dass die Lehrer nichts leisten und ich habe großen Respekt vor jedem Menschen, der ernsthaft versucht jungen Menschen etwas beizubringen. Und ich verstehe es, dass es stressig ist, dass Kinder anstrengend sind, vor allem Pubertierende, dass man nicht wirklich ein Druckmittel gegen die „Gfraster“ hat, dass sie manchmal noch ziemlich gewifft sind und einen zur Weißglut bringen, aber sich wirklich über die anderen Rahmenbedingungen aufzuregen, finde ich persönlich lächerlich. Lasse mich aber gern eines anderen belehren. Da kenne ich weitaus andere unzumutbare Arbeitsbedingungen, wo es keine Luxusproblemchen gibt, die eindeutig in den Medien gehören. Irgendwie kommt mir das so wie ein Sommer-/Winterloch-Füller vor, der ständig zu bestimmten Jahreszeiten in den Medien breit getreten wird ==> absolut unnötig. Oder hat jemand schon mal am Bau, Straßenbau, Gärtnerei im Glashaus wo unser Gemüse herkommt, bei einer höllischen (!) Hitze im Sommer oder einer Metallgießerei mit giftigen Dämpfen gearbeitet und das alles für einen lächerlichen Lohn? Gibt es genug andere Beispiele (Aja und natürlich 38.5h pro Woche 😀 Klar, wer es glaubt!) Nein, nicht, keiner der armen, überarbeiteten Lehrer? Danach bitte noch einmal über den aus eigenen Mitteln finanzierten 100Euro Schreibtisch aufregen, der den Platz im Raum ausfüllt, und den Drucker, den nun wirklich fast jeder Haushalt in den eigenen vier Wänden rum stehen hat… vor allem wenn man Kinder hat, denn die Lehrer verlangen ja auch meistens ausgedruckte Expemplare. Und ich wäre gerne Lehrer und habe überhaupt keinen Neidkomplex! Ich wünsche jedem nur das Beste. Ihnen auch! Aber meckern auf hohem Niveau finde ich auch nicht angebracht, wenn wir wirklich weitaus andere, schwerwiegendere Probleme haben. Das muss mal auch gesagt werden.

      • Nun, hier herrschst Meinungsfreiheit.
        Gut finde ich ja:“Und ich wäre gerne Lehrer und habe überhaupt keinen Neidkomplex!“ Bitte, bewerben! Gute Informatiker werden an Schulen wirklich gebraucht … Und dann, in zwei Jahre oder so, lesen Sie mal die eigene Wortmeldung nochmal …

        So, und jetzt noch eins. Ich bin eben kein Lehrer, sehe nur wie es bei meiner Frau ist, und habe – lustigerweise – einige Jahre als Entwickler und IT-Security-Fachmann insbesondere im Kryptographie-Bereich für große Firmen gearbeitet. Kein Vergleich! wirklich nicht … Und ja, auch ich habe mir damals privat zu Hause einiges hingestellt, was eigentlich arbeitsbezogen war. Nur, ich habe auch wesentlich mehr verdient als meine vollbeschäftigte AHS-Lehrer-Gemahlin. Ja, ja, ich hör schon, was heißt hier vollbeschäftigt … Nun es gab Wochen, da haben wir gleich viel für den jeweiligen Beruf gearbeitet – ich bekam Überstunden ausbezahlt, und das nicht zu knapp).

        Und wie gesagt, der wesentliche Unterschied ist immer mach ich es freiwillig oder weil ich es muss!

      • Michael Kornhuber

        „(…) Und wenn Se zu Ende gelesen hätten, wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass es nicht die Rahmenbedingungen per se sind (…)“

        Die stören mich als Lehrer auch nicht so extrem, da ich dafür bei meiner Arbeit zuhause eigenes Gerät und mehr freie Zeiteinteilung habe. Wenn aber ständig gefordert wird, dass man 40 Stunden pro Woche in der Schule sein sollte, dann müssten die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Wie das gehen soll in all den aus den Nähten platzenden Schulgebäuden ohne Platz für Zubauten, frage ich mich. Und zu welch extremen Kosten (für den Steuerzahler) z.B. 100.000 Pädagogen (nur Größenordnung, habe keine exakten Zahlen) vernünftige Arbeitsplätze zu bauen, auszustatten und zu beheizen, reinigen lassen usw.! Nur um den Neidkomplex der Bevölkerung zu mindern, den Politik und Medien oft anheizen???

        Dann wären da noch folgende Gedanken: Wie wird ausgestattet, wenn ein Lehrer nur Teilzeit hat? Wie wird die Anwesenheitspflicht geregelt, wenn manche Wochen 30 Stunden und andere 60 Stunden Arbeit anfällt? Bei starren Zeiten würde man abwechselnd Zeit totschlagen oder Überstunden machen, bei flexiblen Zeiten könnte man dennoch „schummeln“ und im Lehrerbüro lesen und abends zuhause arbeiten. Es KANN ohnehin keine Garantie geben, die der anderen Bevölkerung garantiert, dass ein Lehrer exakt genauso viele Jahresarbeitsstunden leistet. Was soll dann der Zwang zur Arbeit in der Schule, der ohnehin einen unfinanzierbaren Ausbau nötig machen würde? Wäre da nicht – bei Zweifel an der alten Arbeitszeitstudie – eine neue Studie und ev. daran gekoppelt eine Neubewertung der Vollverpflichtung (wo nötig) viel viel billiger?

        Bis dahin lasst mich zuhause meine Tests erstellen und korrigieren. Und wenn ich das nicht nachmittags, sondern abends oder am Wochenende mache, schimpft nicht wenn ihr mich am Nachmittag mit meinen Kindern im Garten seht. Ihr arbeitet (bei klassischen Arbeitszeiten jedenfalls) dafür abends und am Wochenende nicht für die Firma, sondern habt Freizeit, während ich dann oft bei meinen Arbeiten sitze.
        Ich erspare dem Staat und somit allen Steuerzahlern mit meinem Arbeiten zuhause viele Kosten. Nur eines verlange ich dafür: nicht als fauler, überprivilegierter, jammernder Halbtagsleister beschimpft zu werden, nur weil ich untertags manchmal scheinbar „frei“ habe. Ich beschimpfe ja auch nicht jeden den ich um 14h auf der Landstraße sehe als „arbeitsfaulen Minderleister“ – wer weiß denn schon wann die/der wieviel schuften muss bzw musste…

      • Natürlich haben sie im Grundsatz recht! Aber nachdem die seltsame „Neid“-Argumentation meines Erachtens beabsichtigt ist (wieso sonst wurde die Studie 2000 unter den Tisch gekehrt), wird es wohl so nicht funktionieren.

        Ceterum censeo … daß die Meisten (siehe Kommentare in Presse &c) einfach freiwillig unintelligent und damit belehrungsresistent sind.

        Deshalb werde ich mit auch weiterhin erlauben zu fragen: Cui bono?

  3. John Doh

    Die Zahlen einer Studie, wo die Arbeitszeit mittels schriftlichem Fragebogen erhoben wurde, mit der Zahl einer Studie die (höchstwahrscheinlich, ich hab es auf die schnelle nicht gefunden) mit verrechneten Arbeitsstunden(Stichwort: unbezahlte Überstunden) zu vergleichen, ist mehr als unseriös.
    Außerdem: Die WKO mag zwar nicht unbedingt auf der Seite der Lehrer sein, aber auf der Seite der Arbeitnehmer auch nicht, während auf der anderen Seite eine Studie steht, die sogar von der GÖD in Auftrag gegeben wurde.

    • Ah, endlich einer, der sich die Studie auch angesehen hat.

      Allerdings, ad unseriös. Selbst wenn ich Zahlen erfinde würden würde – was ich eben nicht getan habe – wäre dies immer noch seriöser als die Art, wie derzeit wieder mal die Diskussion geführt wird.

      Und ad Fragebogen: Sie können Zeiten, die nicht verrechnet werden, ja nicht über die Buchhaltung erfahren. Und diese wiederum – in vielen Bereichen wo ohne Stempeluhr gearbeitet wird – erfährt ihre Daten oftmals auch nur über Fragebogen. Oh, Verzeihung neuerdings heißt das ding ja „balanced score card“.

      Womit die Vergleichbarkeit wieder gegeben wäre. Die tatsächliche Zuordnung von Arbeitsleistung zu spezifischen Tagesminuten ist in vielen Tätigkeiten gar nicht mehr möglich. Oder glauben Sie etwa, daß z.B. Hr. Armin Wolf nur 3 mal in der Woche für 26 Minuten arbeitet?

      Hier gibt es nur ein einzig wirklich unwidersprechbares Faktum: Es gab eine Studie zur Arbeitszeit der Lehrer. In Auftrag gegeben von 2 Bundesministerien gemeinsam mit der Gewerkschaft. Die Studie wird totgeschwiegen.

      Und das ist mehr als seltsam.

  4. Michael Kornhuber

    Mir fallen da Sprüche ein:
    1) Die Intelligenz auf dem Planeten ist eine Konstante, die Bevölkerung wächst. (Vielleicht schrumpft die Konstante zusätzlich???)
    2) Jedes Volk bekommt die Regierung, die es (letztlich) verdient. (Haben wir DIE tatsächlich verdient?)
    3) Ein Gescheiter kann sich leichter dummstellen, als ein Dummer sich gescheitstellen. (Letzteres hat leider Saison.)
    Und eine Sache möchte ich noch loswerden, die meist übersehen wird: Die Medien sind eine unterschätzte Macht, leider fühlen sie sich meist nur den Quoten und Inserenten verpflichtet (und helfen so der Gesellschaft beim schrittweisen Untergang). Denn: Wenn etwas schiefgehen kann, wird es auch schiefgehen (Murphy´s Gesetz).

  5. English Fan

    Als AHS-Lehrerin danke ich Ihnen für Ihre Ausführungen, die ich nur bestätigen kann. Vielleicht wollen Sie sich einmal mit meinem Ehemann darüber unterhalten, wie sehr es ihn seit Jahrzehnten stört, dass meine Arbeitszeit jederzeit stattfindet und quasi unbegrenzt ist, dass mein Arbeitszimmer überquillt von Unterlagen, Büchern, Zeitschriften, etc., die ich zu Hause aufhebe, weil ich in der Schule in meinem 45 X 45 x 25 cm Kästchen gerade die Schularbeitshefte und einen Stapel Textbücher unterbringen kann. Offenbar wissen Sie auch aus eigenem Miterleben, dass wir LehrerInnen nicht die DrückebergerInnen sind, als die man uns schon seit Jahren gebetsmühlenartig bezeichnet, im Gegenteil. Doch wie Sie schon mehrmals in Ihren Kommentaren sagen, steckt da wohl Methode dahinter:
    Das politische Kalkül dahinter scheint wohl das folgende zu sein:
    Wenn es denn nun endlich gelungen sein wird, das Ansehen des Lehrerstandes kaputtgeredet zu haben, muss es doch mit Zustimmung der „Öffentlichkeit“ gelingen, diese „Schmarotzer“ mit noch schlechteren Arbeitsbedingungen, längeren Arbeitszeiten, noch prekäreren Platzverhältnissen abzufertigen, damit zum einen das Milliardenloch im Budget, das angeblich gar nicht existiert, zumindestens ansatzweise geflickt werden kann, und zum anderen auch noch die Banken, für die kein Milliardenopfer zu gering ist, weitere Zuwendungen erhalten können. Welche Zukunft unserem Kindern dann noch ins Haus steht, ist jedenfalls nicht von Bedeutung, denn die Hypothek, die auf ihren Schultern lastet, ist jetzt schon groß genug, da brauchen sie sich den Anforderungen einer modernen, hochkomplexen Berufswelt gar nicht mehr zu stellen, denn ihre Ausbildung wird nur mehr in Richtung Standardisierung(des MIttelmaßes) laufen. Ihre LehrerInnen können in Zukunft jedes der Fächer, das sie irgendwann einmal kennen gelernt haben oder dessen Schulbuch-Titelseite sie sinnerfassend lesen können, unterrichten – das widerspricht jeder Höherqualifizierung und allen Ansprüchen an das Unterrichten, die in meiner Ausbildung angesetzt wurden. Übrigens würde ich jeden meiner vielleicht zukünftigen Physik-Schüler sehr bedauern, denn diese Inhalte könnte ich wahrscheinlich nicht verständlich machen!
    Die sogenannten Bildungsexperten reden zwar von Qualität und Individualisierung des Bildungssystems, können aber oft gar nicht zwischen Ganztagsschule und Gesamtschule unterscheiden, obwohl sie sich „Bildungsexperten“ nennen lassen dürfen, wenn sie neun bis zwölf Jahre zur Schule gegangen sind.

  6. yoead

    Ich stimme der Lösung zu!

  7. Christoph

    Na gut, dann sollten wir aber auch die restlichen „Normen“ der Privatwirtschaft bei den Lehrern einführen… nämlich Bezahlung nach Leistung.

    Im Falle der Lehrer bedeutet das einen guten Notenschnitt über alle Schüler…ist das Ziel zb eine durchschnittliche Note von 2, fällt der Notenschnitt aber am Jahresende auf 2,5 gibts Jahresgespräche mit entsprechenden Zielsetzungen fürs nächste halbe JAhr… erbringt der Lehrer seine Leistung nicht, wird er eben ausgetauscht.

    Ist bei Verkäufern in der Privatwirtschaft normal,und wenn man „Gleichberechtigung“ will als Lehrer, muß man auch mit der Kehrseite leben.

    Alles hat Vor und Nachteile, Lehrer sein hat bringt freie Zeiteinteilung mit sich…ein Luxus den nur wenige 40-50 Stunden pro Woche arbeitende Privatwirtschaftler haben…

    • Der ersten Zeile kann man nur zustimmen, allerdings bitte für den gesamten öffentliche Bereich. Gleiche Regeln, keine Ausnahmen! Dann wird es entrisch ….

      Anders ausgedrückt, wohlüberlegt ist das nicht. Das würde nämlich Eingangsprüfungen vor Besuch einer Klasse für jeden Schüler zur Festlegung der individuellen Basislinie, finanzielle Verantwortung der Eltern bei Nichterfüllung von Zielen, usw, usf … nach sich ziehen. Oder besser gesagt Voraussetzen. Und wenn Ihr 6-jähriger beim Schuleintritt nicht ordentlich die Amtssprache beherrscht, flattert Ihnen mal kurz eine Verfügung zur Zahlung von – sagen wir mal – €25.000,- ins Haus? Und das geht dann so weiter, schließlich übernimmt die Autowerkstätte auch nicht die Reparaturkosten, wenn Sie beim Einparken einen Hydranten streifen, oder?

      Ich fürchte, sollten Sie betroffen sein, wären Sie der Erste der schreit …

      Und zum letzten Satz: Ja, ja, Pisa und das Sinn-erfassende Lesen. Oder soll das echt bedeuten, „Freie Zeiteinteilung, dafür dürfen wir auch weniger Zahlen, mehr aufhalsen UND beschimpfen„?

      Und das ist nur das, was mir hierzu ad hoc, und noch ziemlich verschlafen, einfällt …

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