Deus vult?

Nach langer Zeit

sehe ich mich veranlaßt, mir mal wieder Einiges „von der Seele“ schreiben zu müßen. Doch vorab eine (kurze) Erklärung des Titels. Oder wohl eher Übersetzung aus dem Latein: Deus vult! war das Motto des ersten Kreuzzuges — einer an Grauslichkeit und Grausamkeit schwer zu überbietenden Aktion, welche von Papst Urban II durch dessen Predigt am 27.November 1095 bei der Synode von Clermont ins Leben gerufen wurde — und heißt nichts Anderes als: „Gott will es!“ Wobei die Menschen im Jahre 1095 auch schon nicht mehr richtig Latein konnten und es zu einem „Deus lo vult!“ verbogen …

Ich habe dieses Motto einfach geklaut und als Frage formuliert: „Gott will es [so]?

Zur Sache!

Ich stelle immer öfter fest, daß ein — für meine Verhältnisse und Erwartungen — normaler Diskurs kaum mehr möglich ist, da Vernunft und Logik gegen das „Credo“ (ja, schon wieder Latein: „Ich glaube!“ — so ein Angeber!) Vieler einfach machtlos sind.
Und sowohl Wissen als auch Denken wird heute offenbar auf ALLEN Seiten immer mehr durch Glauben ersetzt. Womit ich nicht den Glauben im religiösen Sinne meine, sondern einfach den einzementierten Standpunkt:

„Ich will das jetzt so glauben, auch wenn es unlogisch/sinnfrei/was-auch-immer ist“

Dazu gehören Verschwörungstheorien ebenso wie Umweltfragen, Meinungen zu diversen Skandalen und Ausschüssen, oder die E-Mobilität, die da mit einer Inbrunst und Überzeugung ohne Denken behauptet bzw. eben geglaubt werden, welche durchaus erschreckend ist.
Erschreckend insofern, da dies zeigt, daß offenbar in den letzten Jahrzehnten die Fähigkeit des einzelnen Individuums zum kritischen Denken nahezu völlig atrophiert ist.
Dies liegt meines Erachtens nach durchaus daran, dass diverse Bildungsreformen — unter dem Deckmantel von „Chancengleichheit“ und „Recht auf Bildung“ — systematisch Lehrpläne nach unten nivelliert und das grundsätzliche Lehrziel von der Fähigkeit des „Verstehens“ zu einem „Reproduzieren“ des Lernstoffes gewandelt wurde. Frei nach dem (nicht latinisierten) Motto:

Besser den Namen tanzen zu können als Zusammenhänge zu verstehen!

Zyniker mögen jetzt einwenden: Gut, aber leichter zu regieren ist so ein Völkchen alle Male.
Nun, wir sehen ja, wohin das geführt hat…

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