Der Bundesbahn-Blues

Idioten an die Macht!

oder

Das Nationale Zentrum für Inkompetenz

Tarnbezeichnung: ÖBB

(nein, dass ist unglaublicher-weise nicht die Abkürzung für Österreichs Bundes-Behinderte!)

Waldorf & Stettler hatten recht!Der größte Teil des hier Dargestellten befand sich ursprünglich als quasi-statischer Inhalt woanders. Eben dort  – ein Schelm, wer hier Übles denkt, aber ich bin wohl etwas paranoid – gab es in weitere Folge 15 Monate keinen Zugriff.

Um Missverständnissen vorzubeugen, hier eine Klärung der Wortbedeutungen. Leider ist im Bereich des Nationalen Zentrums für Inkompetenz die normale, jedem Wörterbuch entsprechende Bedeutung einzelner Begriffe, wohl zu Zwecken der Verschleierung, verändert worden.

Wie alles begann

Auslöser für die Erstellung dieser Seite waren meine Erlebnisse vom 5. und 6. Juni 2007. An diesen beiden Tagen verlor ich nahezu 2 Stunden meines Lebens an die Managementqualität der österreichischen Bundesbahn. Für das Befahren einer Strecke (insgesamt 4 Mal), welche im besten Fall pro Fahrtrichtung 47 Minuten benötigte.

Tatsächlich konnte ich diesen Fall nur in einer Richtung nutzen, in der anderen waren es von vornherein schon 90 Minuten! Somit verbrachte ich gezwungenermaßen jeden Tag schon 137 Minuten in Abhängigkeit von der ÖBB.

Das heißt nun wiederum, ich hatte an zwei Arbeitstagen eine Verspätung aufgebaut, welche im Prinzip meinem Reisebedarf für fast einen ganzen weiteren Tag entspricht!

Und dabei wäre ein großer Teil dieser Verspätungen vermeidbar, zum Beispiel durch entsprechende, zeitgerechte Information der Reisenden. Aber Information ist offensichtlich ein Fremdwort, wenn sogar der Informations-Stand (vulgo Info-Point – nicht lachen, das stund dort tatsächlich) am Wiener Südbahnhof (inzwischen zur Vernichtung der Beweismittel 🙂 abgerissen) Reisende weiterhin – weniger als 5 Minuten vor Planabfahrt – an eine ausgefallene Zugverbindung verweist. Wofür die auskunft-erteilenden Mitarbeiter zwar nichts können, aber dann auch noch unter Umständen als Blitzableiter für den berechtigten Ärger der Kunden dienen dürfen.

Andererseits, was soll man von einem Unternehmen erwarten, welches tatsächlich die Idee gebar, Einschulungen für die Benutzung der Fahrscheinautomaten (siehe hier den Kommentar des Gewerbevereins) anzubieten! Anstatt auf den allerdings vielleicht zu trivialen Gedanken zu verfallen, besagte Automaten einfacher und übersichtlicher zu gestalten.

Schmankerl 1:

Am 21. Juni 2007 gab es über Ost-Österreich ein schwereres Unwetter. Noch keine Katastrophe per se – jetzt einmal von bedauerlichen Einzelschicksalen abgesehen -, es stürzten einige Bäume oder Baumteile ab. Natürlich ist durch so etwas auch der Bahnbetrieb betroffen. Mit Verspätungen ist zu rechnen.

Das ist ja wohl klar, und darüber an sich würde sich wohl kaum jemand aufregen. Aber:

Was das Ganze erst zur Krise macht, sind die überragenden Management-Fähigkeiten der Bundesbahn. Wenn mehr als drei Stunden Verspätung aufgebaut werden, wäre doch zu erwarten, dass die Passagiere irgendwelche zielführenden Informationen erhalten. Diese bekommt allerdings nicht einmal der Schaffner! Wobei zielführend ja implizit voraussetzt, dass ein Ziel existiert, und damit auch ein Plan, wie vorzugehen sei.

Ein vermutlich unverschämtes Ansinnen, schließlich ist es ja viel wahrscheinlicher, dass Außerirdische vor dem Parlament landen um Csárdás zu tanzen, als das jemals auch nur ein einziger Baum den Gleiskörper blockiert oder die Oberleitungen beschädigt!

Schmankerl 2:

Im Rahmen eines Selbstversuches hatte ich im Juli 2007  eine andere Fahrtroute. Der Startpunkt war zwar derselbe, no na, aber Ziel und Zeitvorgabe waren etwas anders. Dafür hatte ich mir den entsprechenden Fahrplan mit Umsteigezeiten von den Service-Seiten ausgedruckt.

Die geplante Abfahrt in Niederkreuzstetten erfolgte jeweils um 6:19, 7:24, oder 8:22, die Plan-Ankunft in Wien-Handelskai ist vorgesehen für 7:04, 8:06 resp. 9:04. Dort muss der Anschluss (S45) mit der Abfahrtszeit X:14 unbedingt erreicht werden. Wenn alles klappt, stellt das Ganze eigentlich kein Problem dar, dann sollte die Haltestellen Breitensee um X:34 erreicht werden.

Beachtlich geschickt ist hier von den Bundesbahnen die Zeitfalle platziert worden. Es ist scheinbar nicht möglich, gleich-bleibende Abfahrtszeiten – für eine im „Stunden(un)takt“ fahrenden Zugsverbindung – nach der vollen Stunde zu wählen. Also für die Herr und Damen von der Bahn langsam und zum Mitschreiben: 6:20, 7:20, 8:20 oder so. Aber offensichtlich sind hier wieder einmal einige besonders brillante Geister am Werk! Gibt es für dieses Übermaß an Kundenfreundlichkeit eigentlich Prämien?

Da der Anschlusszug viertelstündlich fährt, waren gelegentlich vorkommende – bei ca. 20 Fahrten habe ich 5 mal den Plananschluss versäumt! – kein allzu großer Zeitverlust. Ärgerlicherweise bedeutet dies aber, wenn man eine bestimmte Zeitvorgabe einhalten muss, darf man eine Stunde früher wegfahren – und klar, dann klappt es und man kann die Stunde irgendwie totschlagen!

Wirklich ärgerlich wird die Rückfahrt. Ich steige also an der Station Handelskai ein und will nach Niederkreuzstetten. Hm, wenn man nicht immer mit dem selben Zug fährt, darf man den gesamtem – sich im 6 Monatsrhythmus willkürlich ändernden – Fahrplan im Kopf haben.

Kleinlich von mir. Na ja, vielleicht. Aber wieso ist es mir möglich im Ausland (z.B. England) in einen Zug zu steigen, am Bahnsteig bereits zu erkennen ob dieser Zug in meiner Zielstation hält.

Bei uns in Österreich?

Njet!

Frage man halt eben mal den Schaffner!

Wen? Der taucht wenn überhaupt erst nach Wolkersdorf auf, um mir zu sagen, der nächste Halt sei Mistelbach!

Meine Haltestelle liegt genau dazwischen. Na gut, es gibt auch die Notbremse. Sieht auch der Schaffner ein und ausnahmsweise (!) hält der Zug, um mich aussteigen zu lassen. Diese Drohung mit der Notbremse habe ich jedes Mal anwenden müssen, um überhaupt nach Hause zu kommen. Und das war oft.

Wie alles endete

Nach einer weiteren Fahrplanänderung – nur einer von vielen, welche zu einer permanenten Verschlechterung meiner Verbindungszeiten (und da gab es einmal eine Verbindung mit 37 Minuten Fahrzeit und ohne Umsteigen!) führte – habe ich mir nach vier Jahren des Leidens ein zweites Auto besorgt, und lasse nunmehr diesen aus Steuergeldern finanzierten Inkompetenz-Verein links liegen.

Und wenn gewisse Politiker der Meinung sind, wir sollen doch alle mehr Bahn fahren, bitte, begleitet mich doch! Aber nehmt Euch Zeit!

Warum ist Bahnfahren eigentlich so teuer?

Ist doch vollkommen klar. In meinem Fall verbrachte ich gezwungenermaßen fast 10 Stunden pro Woche mehr Zeit im Bereich der ÖBB als technisch notwendig wäre. Das entspricht einem Urlaubszeitäquivalent von ca. 11 Wochen pro Jahr, also mehr als zwei Jahresurlaube.

Na, und eine mehrmonatige Kreuzfahrt ist auch nicht billig. Eben!

Ganz nebenbei: Die reinen Spritkosten für die Pendelei mit dem Auto sind – pro Monat gerechnet – etwas geringer als die Kosten für eine Monatskarte. Die zwei Stunde  Zeitgewinn pro Tag – unbezahlbar!

Apropos Inkompetenz:

Vermutlich eine unrichtige Unterstellung durch mich. Schließlich gehört schon sehr viel Planung dazu, die Kunden dermaßen systematisch zu verarschen, pardon, vergraulen.